Montag, 22. März 2010

Legacy-Review von Dominik Irtenkauf

(...) Edle Aufmachung auf Glanzpapier, massig Seiten in Farbe, 162 A5-Seiten – die Verlag, der in Berlin sitzt, hat eine hungrige und durstige Mannschaft versammelt, die zu Themen der Subkultur auf nicht unbedingt subkulturelle Weise berichten. Boyd Rice und ein Bericht zu einer belgischen Funeral Folk-Band weisen schon mal in diese Richtung der Subkultur. Angebliche Giger-Imitationen bestätigen diesen ersten flüchtigen Eindruck. Bilder und Fotos zeichnen alle kein unbedingt schönes Bild unserer Welt. Übliche Verdächtige wie Jenz vom Inside-Artzine entdeckt man zudem unter den Zusteuernden. Man fragt sich, wozu ... doch bevor der Satz zu Ende gedacht ist, liest man einen schön, weil abwegig illustrierten Artikel zur Bedeutung des Buches bei der SS. Die politisch korrekten Wächter spitzen spätestens jetzt ihre Lauscher – und die GRIMM-Macher hatten genau das im Plan: irreführen und ein klein wenig provozieren, denn wie schreibt Redakteur Lars Brinkmann bereits im Editorial „GRIMM werdet ihr nicht mehr los. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, in euren Träumen zu nisten. Parasiten gleich hinterlassen wir ein verderbliches Gelege: angebrütete Ideen, die ihr für uns austragen müsst. Wenn sie schlüpfen, knackt es im Kopf. Dann zerbricht die Welt, die kleine, heile, selbstgerechte. Am Ende bleibt nur noch das, was wir bringen und was uns umbringt: Grimm.“ (S. 3) Erstaunlicherweise finden sich Textpassagen des kürzlich verstorbenen Science-Fiction-Autor James G. Ballard in der Mitte des Heftes und ein wenig weiter hinten ein gut recherchierter Artikel zur Sargschreinerei in Ghana. Ein wenig morbid weht's durchweg auf den Seiten. Das ist, besonders für die hiesige Leserschaft, sicher kein Nachteil. Doch Interviews und Rezensionen mit respektive von Metalbands sucht man vergebens. Darum geht’s aber auch nicht. Wenn ein Metalthema so grimm dreinschaut, dass es etwas gibt, in dem Sinne, dass nicht nur gekaut, wiedergekäut, sondern gekotzt, also kreativ erbrochen wird, dann ... kann es, so die Vermutung des Kritikers hier, den Weg ins GRIMM finden. Die Artikel sind großteils recht kurz ausgefallen, was ein wenig schade ist. Man hätte doch weiter ausholen können. Auf der anderen Seite erzieht das den Leser aufs Wesentliche hin. Schön aber, dass literarische Abdrucke mehrere Seiten in Anspruch nehmen können. Grafisch ist das, das klang wohl schon an, einwandfrei gestaltet. Für 13 Euro (inklusive Versand) sehr guter Preis.

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